Nenne mir einen guten Grund


Der Herbst ist gekommen und ich beginne damit, meinen weißen Blindenstock

regelmäßig zu nutzen. Das einzige, was meinen Weg verzögert sind die aufgehäuften

Laubblätter auf den Gehwegen. Davon war während meines Mobilitätstrainings nie

die Rede.

Was soll's, denke ich bei mir,  das knisternde Geräusch der Blätter  ist ja

auch schön und es ist ja nicht ewig Herbst.


Der Winter hält Einzug und ich mache die Entdeckung, dass mein Stock im Schnee

nicht gut funktioniert. Darüber habe ich nichts gelernt während meines Mobilitätstrainings.

Was soll's, denke ich bei mir, das knirschende Geräusch ist ja

auch schön un es ist ja nicht ewig Winter.


Mit dem Frühling kommen die Pfützen. Die Kugel am Ende meines Stocks platscht

durch sie hindurch und ich erinnere mich, dass es während meines Mobilitätstranings

nie geregnet hat.

Was soll's, denke ich bei mir, das plätschernde Geräusch ist ja

auch schön und es ist ja nicht ewig Frühling.


Ich kämpfe mich einen Sandstrand entlang, die Sommersonne brennt auf

mich herunter. Ich muss erkennen, dass mein weißer Stock hier denkbar

nutzlos ist. Ich bin langsam reif für die Insel.

Was soll's denke ich bei mir, bald ist ja Herbst...

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Blinder Mann, 29, eigenes Aussehen weitgehend unbekannt, sucht Sie (Aussehen unwichtig) für ernsthafte Partnerschaft.

Herausragende (versöhnliche) Eigenschaften: Schmutz und Staub bleiben ihm verborgen, schaut nicht nach anderen Frauen, keine Leidenschaft für Autos oder Fußball, TV-Fernbedienung ständig für sie verfügbar, extrem Energie sparend (braucht fast kein Licht).

Zuschriften erwünscht statt mit Foto mit 3D-Gipsmodell.

Ich lebe in einer Welt zwischen Sehen und Nichtsehen. Hier ist es nie langweilig. Viele Begebenheiten und Begegnungen bringen mich zum schmunzeln und ich konnte über die Jahre zahlreiche Anekdoten sammeln. Manche Themen beschäftigen mich dauerhaft - “Sind Behinderten-WC’s nur für Rollstuhlfahrer oder darf ich auch rein?”. Andere Dinge passieren nur einmal - einen Flug online buchen und aus Versehen die ganze Familie als blind anmelden. In dem Buch werde ich erklären warum ich als Blinder eine Zukunft als Bankräuber ausgeschlossen habe und wie ich es geschafft habe, letztes Jahr selbst mit dem Auto zur Arbeit zu fahren.


Auch meine Erfahrungen als Engländer in Deutschland haben mich oft zum Lachen gebracht. Und wenn sprachliche Missverständnisse mit fehlende visueller Information vereint sind, ist alles möglich...


Das Buch ist in Arbeit und ich werde einige Kapitel hier als Vorgeschmack veröffentlichen. Ich schreibe auf Englisch, aber es gibt Übersetzungen für alle, die lieber auf Deutsch lesen!

BUCH