FAIBLE FÜR „BLUTIGE SCHUHE“

Deichbrand-Band-Tipp: Der gebürtige Engländer Simon Bellett empfiehlt das Rockduo Blood Red Shoes


WANHÖDEN Am Klavier hat alles angefangen. Für Simon Bellett und für Laura-Mary Carter. Nicht die einzige Gemeinsamkeit, die der mulitinstrumentale Wahl-Bremerhavener mit der Blood-Red-Shoes-Sängerin teilt. Beide stammen aus Großbritannien. Beide gründeten nach ihrer Pianophase Bands. Doch während Bellett seine Punkrock-Tage längst hinter sich gelassen hat, sind Blood Red Shoes bis heute im Punk zu Hause. Der Beweis folgt - am 19. Juli beim Deichbrand-Festival in Wanhöden.


„Unbedingt reinhören“, empfiehlt der Profimusiker, der in Yorkshire geboren wurde, aber seit fast genau 20 Jahren in Norddeutschland lebt. Wie sein 17 Jahre alter Sohn schwärmt auch Bellett von der minimalistischen Rockband-Besetzung bei Blood Red Shoe, die lediglich aus Laura-Mary Carter (Gesang und Gitarre) und Steven Ansell (Gesang und Schlagzeug) besteht. 2005 im englischen Brighton gegründet, verbindet das Duo raue Instrumentierung mit einprägsamen Melodien.


„Es ist einfach supercool, wie viel man zu zweit mit ganz einfachen Mitteln musikalisch alles machen kann“, sagt Bellett über die Band, die den 41-Jährigen zuallererst wegen ihres ungewöhnlichen Namens faszinierte. Dieser geht aur die amerikanische Schauspielerin Ginger Rogers zurück, die angeblich eine Stepptanz-Szene mit Fred Astaire so oft wiederholen musste, bis sich ihre weißen Schuhe blutrot von den Wunden an den Füßen gefärbt hatten.


Während sich die Musik von Blood Red Shoes als eine einfache, ungeschliffene Form des klassischen Rock ‘n‘ Roll beschreiben lässt, ist Bellett ein musikalischer Bummler zwischen den Welten. Klassik und Jazz gehören genauso zu seinem Repertoire wie Kirchenmusik und Folk. Der freischaffende Musiker, Komponist, Dirigent und Chor(projekt)leiter musiziert auf jedem Instrument, das er zwischen die Finger bekommt, egal ob Akkordeon, Gitarre oder Kirchenorgel, Klavier, Querflöte oder Saxofon. Dass er an einer genetisch bedingten Augenkrankheit leidet, die ihn inzwischen nahezu erblinden lassen hat, behindert den Allrounder nach eigenem Empfinden nur unwesentlich. „Ich verliere zwar jedes Jahr ein bisschen mehr Augenlicht, dafür höre ich aber sehr gut.“

Natürlich auch die Musik von Blood Red Shoes mit der charismatischen Sängerin und Gitarristin Laura-Mary Carter. Dem Festival kann diese Frauenpower nur gut tun, glaubt Bellett, für den das Rockgeschäft viel mehr Frauen wie Carter vertragen könnte.

Übrigens: Nachdem die beiden Briten 2013 ihr aktuelles Albumn „Blood Red Shoes“ in Berlin aufgenommen hatten, priesen sie die deutsche Hauptstadt für ihre Toleranz. Ein weiterer Grund für den bekennenden Deutschland-Fan Bellett, Blood Red Shoes zu lieben.


ZUR PERSON

Simon Bellett (42) stammt aus dem britischen Yorkshire und lebt seit 20 Jahren in Norddeutschland. Der freiberufliche Musiker tritt solo und mit Band auf, spielt zahlreiche Instrumente und leitet Chorprojekte, Gerade har der zweifache Vater eine Gesangsausbildung in Kopenhagen abgeschlossen. Aktuell ist er in Bremerhaven-Geestemünde zu Hause.


DER BAND-TIPP

Mehr als 70 Bands und Solkünstler präsentiert das Deichbrand-Festival vom 16. bis 19. Juli in der Wanhödener Festival-City auf vier Bühnen.

Die NZ fragt Musiker aus der Region , welche Band sie besonders empfehlen. Im nächsten Teil verrät Nachwuchs-Musiker Julian Kolley, wen die Fans nicht verpassen sollten.


Quelle: Nordseezeitung, Juli 2015.