EIN WUNSCHKONZERT PAR EXCELLENCE

Simon Bellett liefert im Fischerei-Theater beste musikalische Unterhaltung ab


BREMERHAVEN. “Es ist nicht die Frage ob ich von der Bühne falle, sondern wann”, meinte Simon Bellett zu Beginn seines Konzerts im bestens besuchten Theater im Fischereihafen. Dort ging der sympathische Musiker und Chorleiter am Freitag ganz entspannt mit seiner unheilbaren Erkrankung um, die ihm zwar nach und nach das Augenlicht, aber keineswegs die Lust an der Musik nimmt.

Nach Noten spielen kann (fast) jeder, auf Zuruf aus dem Gedächtnis oder improvisierend dagegen nicht. Simon Bellett begann das “Wunschkonzert” klassisch, ließ bei Smetanas “Moldau” leise das Wasser plätschern, brach mit Dvorjak in die “Neue Welt” auf, beendete Ravels “Bolero” mit einem kurzen Rag. Das Publikum forderte “Für Elise” und den “Minutenwalzer”, summte bei “Ode an die Freude” oder dem “Ave Maria” sogar mit. “So, jetzt können Sie alle sagen, dass Sie beim Klassik-Konzert gewesen sind”, beendete der Pianist den Block und wandte sich der leichteren Unterhaltungsmusik zu.

“Sie bestimmen wo der Flügel steht”, offerierte Bellett und hatte Orte wie das Finanzamt, ein Bahnhofsklo oder den Kindergarten musikalisch zu bewältigen. “Jetzt muss ich im Dunkeln eine Tonart finden”, freute sich der Engländer mit Wohnsitz in Schiffdorf: “Einen Plan B gibt es nicht, ich habe ja nicht einmal Plan A.” Aber dafür ging es munter durch die verschiedenen Stile, wurde mit Tango, Blues und Rock ‘n’ Roll zu jedem Topf der Deckel gefunden. “Alle meine Entchen” ging durch als Gospel, bei “Fuchs, du hast die Gans gestohlen” war die Zeit reif für den Großeinsatz des Loop-Geräts.

Die musikalische Weltreise führte mit der Querflöte nach Spanien, mit dem Akkordeon nach Schottland, mit dem Saxophon in die Jazz-Bar und zurück am Flügel nach Jamaika: “I shot the Sherrif”. Knifflig wurde es, als Heidi in der Schweiz für die Juroren Elvis und Bohlen “Highway to Hell” singen musste. Mit der Gitarre um den Hals waren aber auch die Bewertungen kein Problem: “Let’s twist again” und “I can’t get no Satisfaction” ergab “Time to say Goodbye!”

Das Publikum hatte zweieinhalb Stunden lang seinen Spaß, reichte dem Künstler zu “Johnny B. Goode” die wechselnden Instrumente und forderte vehement nach Zugaben. Und so bekam Simon Bellett die Gelegenheit, endlich die Latzhose aus britischen Fahnen zu präsentieren, die er eigentlich schon im August als Moderator der “British Night of the Proms” im Stadttheater hatte tragen wollen. Damals kam das Paket zwei Tage zu spät, diesmal fiel zunächst das Mikrophon aus. Aber dann passte endlich alles perfekt: Man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen. (ulm)


Quelle: Nordseezeitung März 2012