MIT JUBELKLÄNGEN EMPFANGEN

Musiker aus Cuxland besuchen Tansania - Bei gemeinsamen Workshops voneinander gelernt


STOTEL „Musik ist eine internationale Sprache, die keine Sprache braucht“. Diese Erkenntnis haben Svenja Heuwinkel sowie Simon und Kathrin Bellett von ihrer Studienreise nach Tansania mitgebracht. Zusammen mit zehn anderen Reisenden aus Deutschland - größtenteils Kirchenmusiker.- lernten sie Land und Leute und deren Musik kennen.


Die Menschen in Lushoto in den Usambara Bergen sprechen kaum Englisch und deren Besucher kein Swahili. Dass die Verständigung trotzdem klappte, lag an der Fröhlichkeit der Gastgeber und der Musik. Denn Singen, Trommeln und Tanzen waren die Inhalte von Workshops in Vuga, der ersten Etappe der Reise. In dem kleinen Dorf steht eine Bibelschule. die von deutschen Missionaren gegründet wurde. Seit 2011 besteht eine von Svenja Heuwinkel mitgegründete Partnerschaft zwischen der Bibelschule und dem Fortbildungszentrum für Musik und Gottesdienst, dem Michaeliskloster Hildesheim. „Dort werde Diakone ausgebildet und wir hatten das große Glück eine Abschlussfeier mitzuerleben“. In Vuga gab es für uns eine sehr bewegende Begrüßung. Unser Bus, mit dem wir den aufregenden Weg durch die Berge bewältigt hatten, wurde mit lauten Jubelklängen begrüßt. Alle wollten uns die Hand geben und uns Blumenketten umlegen. Bei den täglichen Workshops lernen die Besucher viel von den Einheimischen. „Sie zeigten uns, wie sie Lieder und Tanz verbinden. Von uns lernten sie, strukturiert zu proben und Dirigiertechnik.“ Für Simon Bellett als Complete Vocal Technique Lehrer ist es sehr spannend zu hören, wie die Frauen- und Männerstimmen in verschiedenen Stücken eingesetzt werden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Tenöre den Sopran singen und umgekehrt. In den Bergen, wo die Kinder eineinhalb Stunden für den Schulweg benötigen, selten ein Auto vorbei kommt und ein Mofabesitzer als sehr gut ausgerüstet gilt, ist Musik so ziemlich die einzige Zerstreuung. Entsprechend viel wird gesungen und der Chor probt dreimal wöchentlich. „Es ist sehr bewegend, plötzlich einen deutschen Choral mit afrikanischem Einfluss zu hören“, so Heuwinkel.


Aber nicht nur die Musikalität machte starken Eindruck auf die Besucher. „Meine Sinne arbeiteten auf Hochtouren“, schreibt der stark sehbehinderte Musiker Simon Bellett in seinem Tagebuch. „Der Geruch von offenem Feuer, Essensdüfte und Staub, Grillen und Vögel als dauerhafte Begleitmusik, Hundegebell und Hähne krähen in jedem Dorf, überall Trommeln und Gesang in allen möglichen Stimm-Timbres, sind überwältigend. Der zweite Teil der Reise führt an die Küste. Hier sp0rt man den Einfluss der neuen Medien wesentlich stärker als in den Bergen. Die Menschen lernen westliche Musikrichtungen kennen. Die Joyful Voices, deren Dirigentin Svenja Heuwinkel ist, werden die mitgebrachten Lieder einstudieren und in den Konzerten zu Gehör bringen. Ein Afrikakonzert ist schon angedacht (be)


Quelle: Nordsee Zeitung, September 2017